Wenn sich in der Duschwanne Wasser sammelt, ist das nicht nur unangenehm, sondern kann auch zu Gerüchen, Schimmel und im schlimmsten Fall zu Feuchtigkeitsschäden führen. Meist steckt eine Mischung aus Haaren, Seifenresten und Kalk dahinter – manchmal aber auch ein tiefer sitzender Pfropfen in der Leitung. Mit den richtigen Vorab-Checks und einer sicheren Schritt-für-Schritt-Vorgehensweise können Sie viele Fälle selbst lösen. Wichtig ist, dabei nichts zu überstürzen und riskante Experimente mit aggressiven Chemikalien zu vermeiden.
Rahmenbedingungen & Vorab-Check
Bevor Sie Werkzeuge oder Reiniger einsetzen, lohnt sich eine kurze Bestandsaufnahme. Damit vermeiden Sie, dass Sie Symptome behandeln, obwohl die Ursache woanders liegt (z. B. in einer gemeinsamen Fallleitung).
- Wie schnell staut es sich? Läuft das Wasser nur langsamer ab, reicht oft eine mechanische Reinigung am Ablauf. Steht es sofort, ist die Verstopfung meist stärker oder tiefer.
- Betroffene Stellen prüfen: Sind Waschbecken oder WC im Bad ebenfalls träge, deutet das eher auf eine Verengung in der Abflussleitung hin. Dann ist eine klassische „oberflächliche“ Haarentfernung oft nicht genug.
- Geruch & Geräusche: Gluckern kann auf Luftprobleme oder Teilverstopfungen hinweisen. Starker Faulgeruch spricht für organische Ablagerungen im Siphonbereich oder in der Leitung.
- Ablaufabdeckung & Duschrinne: Entfernen Sie vorsichtig Sieb/Deckel. Bei Duschrinnen: Einsatz/Haarsieb herausnehmen und separat reinigen.
- Sicherheit zuerst: Tragen Sie Handschuhe und sorgen Sie für Lüftung. Wenn bereits chemische Reiniger im Abfluss sind, keinesfalls mit anderen Mitteln nachlegen (Gefahr durch Reaktionen).
- Mietwohnung oder Eigentum? Kleinere, durch Haare verursachte Verstopfungen sind häufig „Nutzungsbedingt“. Bei wiederkehrenden Problemen oder Verdacht auf Rohrschäden ist eine Abflussreinigung vom Fachbetrieb sinnvoll – und je nach Ursache auch anders abzurechnen.
Tipp für die Einschätzung: Wenn Sie das Haarsieb regelmäßig leeren und es trotzdem ständig zu Rückstau kommt, liegt die Ursache häufig tiefer in der Rohrreinigung-relevanten Strecke (z. B. hinter dem Siphon oder in der Sammelleitung).
Zeitplan: Schritte, Phasen und realistische Dauer
Mit dieser Reihenfolge arbeiten Sie von „sanft und schnell“ zu „gründlich und technisch“. Brechen Sie ab, wenn Sie unsicher sind oder die Situation sich verschlimmert (z. B. Wasser drückt zurück).
-
Sofortmaßnahme (5–10 Minuten): Sichtprüfung, Abdeckung abnehmen, Haare/Seifenklumpen direkt entfernen, Duschrinne und Haarsieb ausspülen. Oft ist das bereits die Lösung.
-
Heißes Wasser & Spültest (10–15 Minuten): 2–3 Liter sehr warmes (nicht kochendes) Wasser in Etappen nachgießen und prüfen, ob der Abfluss wieder frei wird. Bei Kunststoffleitungen ist kochendes Wasser riskant.
-
Mechanische Reinigung am Ablauf (15–30 Minuten): Mit Haarhaken oder einer kleinen Abflussspirale vorsichtig arbeiten. Ziel ist, den Pfropfen herauszuziehen, nicht tiefer zu drücken.
-
Pümpel/Unterdruck (10–20 Minuten): Wenn Sie einen Pümpel verwenden: Ablauf mit Wasser bedecken, ggf. Überlauf/Seiteneinlässe abdichten, dann kräftig pumpen. Bei Duschrinnen kann das Abdichten etwas aufwendiger sein, wirkt aber oft erstaunlich gut.
-
Milde Reinigungsphase (30 Minuten + Einwirkzeit): Natron und Essig (oder ein enzymatischer Reiniger) können Fett- und Seifenreste lösen. Rechnen Sie mit Einwirkzeiten von 30 Minuten bis über Nacht – danach gründlich nachspülen.
-
Entscheidung: Selbst weitermachen oder Fachbetrieb (ab 60–120 Minuten Gesamtzeit): Wenn nach mehreren Versuchen kaum Verbesserung eintritt, wenn mehrere Abflüsse betroffen sind oder wenn Wasser zurückdrückt, ist eine professionelle Rohrreinigung im Badezimmer meist der schnellste und sauberste Weg.
Wichtig: Gewalt bringt selten etwas. Zu starkes „Herumstochern“ kann Dichtungen beschädigen oder Ablagerungen tiefer in die Leitung drücken. Gerade bei bodengleichen Duschen sind Anschlüsse häufig kompakt verbaut – hier ist Fingerspitzengefühl entscheidend.
Materialien & Mengen: Das brauchen Sie wirklich
Viele Verstopfungen entstehen direkt im Bereich des Ablaufs. Dafür genügen meist einfache Hilfsmittel. Achten Sie auf passende Größen (Ablaufdurchmesser, Rinnen-Einsatz) und auf Materialverträglichkeit.
- Gummihandschuhe (1 Paar): Schutz vor Keimen und Reizstoffen.
- Eimer/Schüssel (1 Stück) + alte Handtücher: Für Spritzwasser und zum Ablegen von Sieb/Rinneneinsatz.
- Haarhaken bzw. Abflusskralle (1 Stück): Ideal für Haare und Seifenreste direkt am Ablauf. Wählen Sie ein Modell, das in Ihre Duschrinne bzw. den Ablauf passt.
- Pümpel (1 Stück): Ein kleiner, flacher Pümpel funktioniert bei Duschen oft besser als ein großer WC-Pümpel. Wichtig ist eine gute Abdichtung.
- Abflussspirale (3–5 m): Für tiefer sitzende Pfropfen. Für die Dusche reicht häufig eine kürzere Spirale; zu lange Modelle lassen sich in engen Leitungen schwer kontrollieren.
- Natron (3–4 EL) + Haushaltsessig (ca. 200 ml): Als milde Option gegen Seifenfilm. Erst Natron, dann Essig, kurz reagieren lassen, anschließend mit warmem Wasser nachspülen.
- Enzymatischer Abflussreiniger (250–500 ml): Sinnvoll bei organischen Ablagerungen und Geruch, benötigt Zeit (oft über Nacht). Vorteil: meist materialschonender als stark ätzende Reiniger.
- Taschenlampe (1 Stück): Für die Sichtkontrolle in der Rinne und im Ablauf.
Von sehr aggressiven Rohrreinigern auf Säure- oder Laugenbasis ist in der Dusche häufig abzuraten: Sie lösen nicht immer den eigentlichen Haarpfropfen, können aber Dichtungen angreifen und erhöhen das Risiko für gefährliche Spritzer – besonders, wenn später doch ein Sanitär-Notdienst bei Rückstau ranmuss.
Budget & Spartipps: Was sich lohnt – und wo Sparen teuer wird
Die Kosten hängen davon ab, wie schnell Sie das Problem eingrenzen und ob Spezialtechnik nötig wird. Eine realistische Einschätzung hilft, nicht in eine Endlosschleife aus Hausmitteln und Frust zu geraten.
- DIY-Budget: Haarhaken, Handschuhe, Natron/Essig und ggf. ein kleiner Pümpel liegen häufig zusammen bei 10–40 €. Eine brauchbare Spirale kostet meist 15–40 €.
- Fachbetrieb (tagsüber, einfacher Einsatz): Für eine gezielte Abflussreinigung an der Dusche liegen viele Einsätze grob bei 120–250 €, je nach Region, Anfahrt und Aufwand.
- Notdienst/außerhalb der Zeiten: Bei akuten Rückstau-Situationen oder Feiertagen kann es deutlich teurer werden. Fragen Sie vorab nach Anfahrt, Zuschlägen und einer groben Spanne.
Spartipps, die wirklich funktionieren: Entfernen Sie regelmäßig Haare aus Sieb/Rinne (am besten nach dem Duschen), spülen Sie wöchentlich mit warmem Wasser nach und nutzen Sie bei häufigem Seifen- oder Pflegeprodukt-Einsatz gelegentlich einen enzymatischen Reiniger. So reduzieren Sie Ablagerungen, bevor sie hartnäckig werden.
Warnung vor falscher Sparsamkeit: Wenn Wasser in mehreren Abflüssen hochkommt, wenn es nach Kanal riecht oder wenn bereits Feuchtigkeit in Fugen/Wände zieht, sollten Sie nicht „weiterprobieren“. Das kann Folgeschäden verursachen, die später deutlich teurer sind als eine professionelle Rohrreinigung oder eine kameragestützte Leitungsprüfung. Auch Hochdruck-Experimente ohne Erfahrung können Dichtungen beschädigen und Undichtigkeiten auslösen.
Als Faustregel: Haben Sie nach 60–90 Minuten strukturierter Maßnahmen keinen klaren Fortschritt, ist der Schritt zum Fachbetrieb meist die wirtschaftlichste Lösung – und häufig auch die sauberste, weil die Ursache direkt und dauerhaft beseitigt wird.